Der Brückenbauer von Dinkelsbühl

oder doch eher "Der Turrebrerler vu Pelsendref"?!

     
"Wot mauchst tea, Gang, mät denger Keah?
Hä äs verbodda Feeld!
Wießt tea et net, te setst jo geat,
de Tofelt ugepeelt?"

"Herr Feeldschätz, och, ech bidden Ich dräm,
verzoaht mir norr noch dett.
Ech hun et wärlich net gewasst,
und liësen kun ech net!"

  "Was machst du Bub mit deiner Kuh?
Hier ist vebot'nes Feld!
Weißt du es nicht, du siehst doch gut,
das Schild dort aufgestellt?"

"Herr Feldschütz, ach, ich bitt' euch drum,
verzeiht mir nur noch dies.
Ich hab' es wirklich nicht gewusst,
und lesen kann ich nicht!"

Diese Verse dichtete Georg Meyndt vor etwa hundert Jahren in Siebenbürgen über den einsichtigen Feldschütz, der den kleinen Jungen bedauerte, weil seinem Vater die Schweizerkuh wichtiger war als das Buch. Und wie erleben wir den kleinen Kuhjungen von damals heute?

Sax und MoritzPfingsttreffen in Dinkelsbühl am 8. Juni 2014: Das Wörnitz-Tor ist eine Baustelle, mit Baustellenabsperrungen abgesichert; eine Überquerung des Bleiche-Grabens ist nicht möglich, da die Brücke abgetragen wurde. Für jeden ist es offensichtlich, dass ein Betreten der Baustelle nur auf eigene Gefahr möglich ist. Das mag wohl jedem einleuchten, aber davor schreckt doch ein Siebenbürger Sachse nicht zurück. Die Brückenbauer zwischen Ost und West haben hier schnell eine Lösung gefunden. Aus dem vorhandenen Baumaterial wird ein Steg improvisiert und drüber weg in die Innenstadt balanciert. Dass da eine schöne Tracht hätte abtauchen können, zieht niemand in Erwägung. Warum auch, denn wenn das passiert wäre, hätte sicher der Veranstalter den Schaden ersetzen müssen, da er die Baustelle nicht genügend hat absichern lassen (!?).

     
Und nun die Antwort auf die gestellte Frage:

Der Tschik, die äs anzwäschen gruß,
driet Hemd och Stiwwelhues.
Hie äs sängt ville Gohrn derbä
und huet och senge Spaß.

"Sängt '78", sprächt hie,
en' grinzt angder der Grunn.
En Bädroch awwer zuehlt hie net,
dot feht hie sich net un.

Do kieft hie läwer Zäjelstien -
em mess jo ze äst kunn -
Kultur, dot äs en Niewesach,
wot huet hie schun dervun!?

Hie ässt doch läwer dä geat mici
und dränkt derza en Bär.
Dot äs doch uch noch Tradition,
esi wor et uch fräh'r!

Uch spillt de Blosmusik derza,
wonn hie leescht sengen Durscht!
Und sil et emol nemmi senj,
äs äm dot hegt gonz Wurscht.

 

Der Tschik, der ist inzwischen groß,
trägt Hemd du Stiefelhos'.
Er ist seit vielen Jahren dabei
und hat auch seinen Spaß.

"Seit '78", sagt er,
und grinst unter dem Bart.
Den Beitrag aber zahlt er nicht,
das findet er zu hart.

Da kauft er lieber Ziegelstein'-
das Haus muss er noch richten -
Kultur ist eine Nebensach',
darauf kann er verzichten!?

Er isst doch lieber eine Wurst
Und trinkt dazu ein Bier.
So pflegt er auch 'ne Tradition,
so war es auch schon früher.

Auch spielt die Blasmusik dazu,
wenn er löscht seinen Durst!
Und sollt' es einmal nicht mehr sein,
ist ihm das heut' ganz Wurscht.

Der Tschik genießt seit Jahrzehnten seine neue "Heimat ohne Grenzen". Er lebt mit vielen Kameraden hier, obwohl sie im Grunde genommen noch gar nicht angekommen sind.

Ich möchte mich bei all den netten Landsleuten bedanken, die es für notwendig erachtet haben, nach dem Umzug zu den Verkaufsständen zu kommen, um ein Abzeichen zu kaufen, weil sie es vorher zeitlich nicht mehr geschafft haben.

Walther Wagner, Abzeichenverkäufer